Hallo Emil, wir haben auf dich gewartet!

Mittwoch, 15. Juni 2011

Nova Rock 2011 - Der Bericht der länger ist als die Schlange vorm Duschzelt

Wo soll ich anfangen. Am besten holt ihr euch etwas zu trinken, Popcorn und macht es euch in euren Sesseln bequem, denn ich habe vor den längsten Post bisher zu schreiben. Aber ob er wirklich so lange ist, werde ich erst am Ende sehen. Gleich vorneweg, die Kamera habe ich aus Angst nicht mehr intakt mit nach hause zu bringen daheim gelassen, deshalb sind die Fotos von irgendwo anders.


1. Tag
Am Freitag, den 10. Juni, wurde ich plötzlich unglaublich krank. Die heftigen Magenkrämpfe und meine extremen Kopfschmerzen hielten mich leider davon ab in die Schule zu fahren. Gerade als der Schulbus abgefahren war, ging es mir plötzlich wieder besser als je zuvor. So ein Zufall. Zusammen mit Freunden sind wir gleich mit dem Postbus und genügend Gösser Radler nach Linz zum Hauptbahnhof gefahren. Dort leisteten wir uns ein Ticket um über 200 Euro, mit dem wir aber noch ziemlich günstig davonkamen, da wir 11 Leute waren. Die ÖBB kam wie geahnt nicht annähernd mit der Situation klar. Der Zug, der schon in Linz verspätet war, war schlussendlich so randvoll, dass wir einen bequemen First-Class-Seat direkt vor den Toiletten am Gang ergattern konnten. Naja, aber als Millionenschweres Unternehmen kann ja auch wirklich nicht von einem erwartet werden, einen Extrazug fahren zu lassen. Das Umsteigen beim Wiener Westbahnhof hingegen ging ziemlich ruhig zu. Der Doppeldeckerzug (hab ich vorher noch nie gesehen) verschaffte sogar uns einen Sitzplatz. Von der Haltestelle Nickelsdorf fuhren Shuttlebuse, die für 3 Euro, die in Angesicht der Ticketpreise von 135 Euro eine Frechheit waren, uns zum Festival, zur Shuttle-Parkplatz. Von dort begann ein riesiger Todesmarsch zu den Eingängen. Fast einen Kilometer mit 20 Kilo Gepäck unter strahlender Sonne. Nach der Kassa, mit Festivalband und Müllpfand bewaffnet, suchten wir einen Zeltplatz. Da die Bands erst am nächsten Tag zu Spielen begannen, waren noch zahlreiche Zeltplätze frei. Unsere 5 Zelte stellten wir in einem Kreis auf. In dessen Mitte hätte perfekt ein Lagerfeuer gepasst, aber offenes Feuer war ja leider verboten. Pah. An diesem Tag erkundeten wir noch das Gelände, am Tag die Zeltplätze und die Verpflegungsstände, und am Abend gings zum Jahrmarkt und zu den "Standln", die reihenweise in der Partyzone standen.

2. Tag
Den Vormittag verbrachten wir einigermaßen ruhig. Jedoch spielte bereits um 12:20 die erste Band, und zwar Knorkator. Obwohl sie ziemlich wenig kennen, hat sie trotzdem einen der besten Acts geliefert. Ihre Bühnenshow könnte man schon fast mit den legendären Bloodhound-Gang Auftritten vergleichen.

Danach spielten Bands wie die Plain White T'S, Wolfmother oder Guano Apes, die mich aber wenig interssierten. Der nächste Auftritt den ich mir ansah, war von In Extremo. Diese spielten zum Glück gleichzeitig mit 30 Seconds to Mars, denn sonst hätte ich wahrscheinlich noch eine Ausrede finden müssen, warum ich mir diese nicht ansehe. Bei In Extremo standen wir vorm Wavebreaker, in einer der vorderen Reihen. Die ohnehin genialen Lieder wurden von einer Pyro-Show begleitet und von einer genialen Performance abgerundet. Im Nachhinein gesehen, war In Extremo überhaupt der beste Auftritt.

Nach dem Konzert pilgerten wir (und ein paar Tausend andere) gleich zur Blue Stage, die sich ca. 500 Meter von der Red Stage befindet. Dort spielte nämlich Linkin Park, einer der Headliner. Jedoch muss ich gestehen, dass die Live-Fähigkeiten ziemlich enttäuschend waren, ebenso dass ziemlich viele neue Lieder gespielt wurden, die nie an die Alten herankommen. Danach gings ziemlich schnell ins Bett in den Schlafsack.

3. Tag
Am dritten Tag war wieder der Tagesablauf ziemlich Inhaltsleer. Die meiste Zeit saßen wir bei geschätzen 40 Grad auf unseren Campingstühlen und ernährten uns flüssig. Erneut sah ich mir den ersten Act des Tages an, nämlich Wendis Böhmische Blasmusik. Dieses "Frühshoppen" hat auf dem Nova schon Tradition, jedoch hielt es nur von der nächsten Band ab, und zwar von einer schwedischen Band namens Kellermensch. Diese muss ich sagen hat wirklich einiges drauf. Auch wenn die Frisur des Sängers zu Wünschen übrig lässt.

Vor der Bühne standen Boxen, der Sänger sprang auf eine um kurz darauf zu singen. Als er wieder zurücksprang knallten die riesigen Boxentürme auf den Boden und rissen ein paar Kabel mitraus. War ziemlich witzig, vor allem als ein paar Dutzend Bühnenarbeiter heraussausten. 
Wie ich zu meinem eigenen Entsetzen feststellen muss, sah ich mir an diesem Tag keine andere Band direkt an, obwohl ich eigentlich Jennifer Rostock und Danzig unbedingt sehen wollte. Auch Flogging Molly, eine der Topbands, habe ich mir nur aus der Ferne angesehen. Grund dafür war wohl, dass jemand unserer Gruppe seinen 17. Geburtstag feierte. In dieser Nacht spielten außerdem noch an berühmten Bands Korn und Volbeat, wobei ich Letzteres absolut nicht mag, da sich alle Lieder gleich anhören.


4. Tag
Das große Finale. Als ich in der früh aufgewacht bin, konnte ich mich nicht bewegen, da es so unglaublich heiß war. Ich übertreibe zwar beim Schätzen immer, aber an die 40 Grad dürfte es schon gehabt haben. Da hat auch die Red Bull Flugshow nicht geholfen, mich abzulenken. Trotz der Hitze sah ich mir die Welser Band Krautschädl an, die ich schon einmal vor ein paar Monaten in St. Oswald/Freistadt beim Rock im Saal gesehen habe.

An diesem Tag musste ich leider Motorhead und Iron Maiden verzichten, die auch zu den Highlights des Nova Rock zählten. Stattdessen sah ich mir nämlich Pendulum an, die so extrem gut spielten, dass sie mich überzeugt habe, in näherer Zukunft auf ein Konzert von ihnen zu fahren. Während diese spielten, standen wir bereits für den Wavebreaker an, um bei System of a Down ganz vorne dabei zu sein. Jedoch war dieser bereits 4 Stunden vor dessen Auftritt voll, also war ich eben im 2. Wavebreaker. Nach Pendulum war noch eine Band eingebaut, nämlich Social Distortion. Diese tut mir ehrlich gesagt leid, denn wer vor System of a Down spielen soll, hat nicht gerade gute Chancen auf Zugabe-Rufe. Dennoch sind ihre Lieder gar nicht so schlecht.

Nach dem Auftritt, als meine Füße schon am Abfallen waren, begann der Soundcheck für SoaD. Jedoch gab es anscheinend technische Schwierigkeiten, denn die Bildschirme fielen ständig aus. Ein anderer Besucher gab darauf hin laut seine Meinung von sich, in der er die Störungen auf Windows Vista zurückführte. Der Act war ziemlich verzögert, es wurde der Zuschauerbereich vor der Bühne vergrößert und ein weiterer Wavebreaker errichtet, da alles randvoll war. Gleichzeitig spielte Otto Walkes mit seinen Friesenjungs auf der Blue Stage, ich glaube die Veranstalter wollten damit bezwecken, ein paar Leute von SoaD wegzubringen, aber das hat anscheinend nichts gebracht. Endlich begann System of a Down zu spielen. Eines ihrer ersten Konzerte seit ihrer Auflösung. Ich muss nicht sagen wie sehr die Leute abgegangen sind. Jedoch ging ich nach einigen Liedern ein Stück weiter nach hinten, da es mir vorne zu eng und zu staubig war. Staubig aufgrund dessen, dass es in den fünf Tagen kein einziges mal geregnet hat, und da der Bereich vor der Bühne nicht abgedeckte Felder waren, gab es extreme Staubwolken, die dann jeder einatmete und die sich an seiner Kleidung verfingen. Weiter hinten sah ich mir noch ein paar Lieder an, dann ging ich jedoch schon kurz vor Schluss zu unserem Zelt, da ich nicht dabeisein wollte, wie ein paar 10.000 Leute gleichzeitig ein eingezäuntes Gebiet verlassen wollen.

Danach warf ich mich schon ziemlich früh in den Schlafsack, da wir am nächsten morgen früh mit dem Abbauen beginnen wollten.

5. Tag
Eigentlich wollten wir uns nicht allzusehr stressen, doch in der Früh waren bereits einige Gewitterwolken zu sehen, und darum beeilten wir uns mit dem Abbau. Darauf folgte erneut ein Todesmarsch zu den Shuttlebussen, der aber nicht so schlimm war, da wir kein Bier mehr tragen mussten. Die Veranstalter haben jedoch bei den Bussen ziemlich versagt. Insgesamt fuhren ungefähr nur 5 Stück, die mindestens 20.000 Menschen zum Bahnhof bringen mussten. Folglich lange haben wir anstehen müssen. Die restliche Zugreise verging dann ziemlich müde und ereignislos.

Jetzt schreibe ich noch ein paar Allgemeinheiten übers Nova, die nicht in die Tagesabläufe passten, aber dennoch erwähnt werden müssen.

Helga: Sie war der zentrale Punkt der ganzen Veranstaltung. Die "Sage von Helga" hat sich auch nach Österreich verbreitet. Dessen Kurzfassung geht so:  
Ein Metaller hat einmal auf dem Wacken vor der Abreise vom Wacken nach seiner Freundin Helga gesucht, die er am nächsten Tag heiraten wollte. Diese jedoch ließ sich nicht blicken. Also lief er laut schreiend über das Gelände und rief "HEEELGA", worauf sich ihm immer mehr anschlossen. Helga wurde jedoch nicht gefunden. Die Sage erzählt weiters, dass wenn Helga gefunden werden würde, es keinen Rock mehr gibt.
Ob es wirklich so war, kann man nicht einmal im Helga-Wikipedia Artikel nachlesen. Jedesmal wenn jemand lautschreiend nach Helga gesucht hat, haben sofort von überall die anderen Besucher miteingestimmt. Ok, eigentlich nur in den ersten Tagen, danach wurden die Antworten großteils von "Helga ist tot" und "Hoits de Pappn" ersetzt, was auch irgenwie verständlich ist, wenn man diese Rufe durchgehend hört.

Securities: Waren dumm und nutzlos wie man es erwartet. Als wir beispielsweise beim Wavebreaker zu SoaD anstanden, war so ein Gedränge, dass die Secos niemanden reinlassen wollten, und alle wieder zurückleiteten. Wer nicht augenblicklich ihren Befehlen gehorchte, wurde einfach von den agressiven unmenschlichen Wesen aus der Masse gerissen. Diese haben sich dann mit fliegenden Bechern revanchiert. Ja, das Auftreten der Securities hat mich schon fast an Staatsgewaltvollzieher wie in Russland erinnnert. Aber dennoch waren sie nicht nur schlecht, denn als z.B. einmal jemand keine Luft mehr bekommen hat, war sofort ein Seco zur Stelle um Erste Hilfe zu leisten.

Trockeneis: Wer sein Bier über die lange Zeit kalt halten wollte, brauchte entweder einen Generator für einen Kühlschrank oder eine Kiste Trockeneis. Wir kamen leider zu keinem davon, deshalb mussten wir es warm trinken. Die Leute, die Trockeneis besaßen, hatten anscheinend aber andere Pläne als Getränke zu kühlen. Alle 10 Minuten hörte man Flaschen explodieren, die mit Trockeneis gefüllt und zugeschraubt wurden. Naja, wenns wem Spaß macht..

Versorgung: Die Essensstände waren ziemlich abwechslungsreich und auch teilweise ganz lecker. Es gab Würstelstände, Donutstände, Schnitzelhäuser, Dönerhäuser, Chinesen, Italiener, Hot Dog Stände und viele andere. Auch wenn die Preise abnormal teuer waren, habe ich trotzdem fleißig zugeschlagen.

Klos: Ich hasse Dixie Klos. Die gab es dort haufenweise. Jedoch bis zur Decke mit Fikalien beschmiert. Zum Glück bot das Nova Rock für ein Entgelt von 2 Euro eine Reihe stetig gereinigter Toilleten an, die sogar Spülung besaßen. Wenn man jetzt auch noch den richtigen Moment abgewartet hat, z.B. als die Securities, die normalerweise kassieren gerade bei einem Konzert eines Headliners aufpassen müssen, kann man sogar gratis die Toilette benutzen.

Ottakringer: Noch negativer als die Dixi-Klos war das "Bier" das angeboten wurde, nämlich Ottakringer das unter dem Namen "Ottarocker" verkauft wurde. Dieses schmeckt wie der Inhalt der Dixieklos, nur ist es halt in Dosen abgefüllt. Da nützt es auch nicht, dass man etwas Zitronenaroma dazugibt und es Radler nennt. Zum Glück kostete eine Dose nur einen Euro, dass ist für ein Festival in dem ein Döner 6 Euro kostet, ziemlich billig. Unser Gesamtbedarf an Bier betrug 16 Steigen (Paletten für die Deutschen) je 24 Dosen, was extrem viel ist.

Besucher: Ich weiß nicht wirklich was ich hier schreiben soll, außer dass die meisten anderen Camper ziemlich gemütlich waren. Von unseren Zeltnachbarn, waren die meisten sehr gut drauf. Nur mit den Wienern konnte niemand so wirklich etwas anfangen. Es gab auch genau eine Auseinandersetzung, von der ich gehört habe. Angeblich sollen ein paar Wiener aus Langeweile eine Messerstecherei begonnen haben. Aber nichts destotrotz war die Mehrheit der Leute chillig drauf.

Stages: Die Bühnen waren zwar etwas zu weit entfernt, aber die beiden Hauptstages sind beide so groß und haben so guten Sound und vor allem Bass, dass es das wieder wett macht. Es gab auch eine "Abschalten-Jetzt" Stage, bei der Bands gegen Atomkraft spielten. Leider kam ich nicht dazu mir dort ein Konzert anzuhören.

So das wars, mehr fällt mir heute nicht mehr ein. Ich sage nur, dass ich nächstes Jahr bestimmt wieder fahren werde, und freue mich schon auf die Bands.

Keine Kommentare:

suchen Sie etwas?